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Papierherstellung: Umweltbelastung oder sinnvoll? In diesem Beitrag gehen wir der Frage nach, ob Papier umweltfreundlich ist und ob wir, genauso wie an Plastik, vermehrt auch an Papier sparen sollten.

Papierherstellung: Umweltbelastung oder sinnvolle Alternative zu Plastik?

Plastik ist schlecht für unsere Umwelt – Das sollte uns mittlerweile bewusst geworden sein. Deswegen gibt es immer mehr Regelungen und Verbote von Plastikprodukten und auch Supermärkte und andere Läden setzen beispielsweise vermehrt auf Papiertüten statt Plastik. Doch ist das bereits die perfekte Lösung?

Ist Papier umweltfreundlich?

Was für Papier spricht, ist, dass es deutlich schneller verrottet als beispielsweise eben Plastik. Und so greifen auch wir im Supermarkt mittlerweile, unbewusst und gutmütig, gerne zur Papier- statt zur Plastiktüte. Was uns dabei jedoch oft nicht bewusst ist: Auch Papier und die Papierherstellung bringt eine Belastung für die Umwelt mit. Diese wird von uns aber gerne noch unterschätzt.

Gerade jedoch in Anbetracht der Tatsache, dass uns Papier nicht nur im Supermarkt, sondern unentwegt in unserem Alltag begleitet, sollten wir wohl auch dieses Material etwas kritischer beäugen.

Verpackungen, Blöcke, Bücher, Zeitungen, Druckerpapier, Briefe, Toilettenpapier, Kalender, Post its, Kartons, und so weiter und so fort. Der Umfang, in dem Papier hergestellt wird, ist schlichtweg immens.

Papierverbrauch pro Kopf in Deutschland

Während der Papierverbrauch pro Kopf in Deutschland, laut dem Kritischem Papierbericht, 1950 noch bei etwa 32 kg lag, waren es 2012 bereits 244 kg.

Dies deckt sich auch mit den Angaben des Umwelt Bundesamts. Dieses hat ermittelt, dass der Papierverbrauch in Deutschland in den letzten Jahren bei rund 243 kg Papier pro Person und Jahr stagnierte. Nicht gerade wenig, was?

Papierherstellung: Umweltbelastung mit Folgen

Im folgenden Abschnitt gehen wir nun genauer auf die einzelnen Nachteile der Papierindustrie ein und erklären, warum Papier eine Belastung für die Umwelt darstellt.

Papierindustrie: Starker Energieverbrauch und CO2-Ausstoß

Die Papierproduktion benötigt massenweise Energie. Ein Beispiel um dies zu verdeutlichen: Für die Herstellung einer Tonne Frischfaser-Kopierpapier (das heißt, dass es sich um neues Papier handelt, nicht um Recycling-Papier) wird genauso viel Energie benötigt wie für die Herstellung einer Tonne Stahl.

Die Papierindustrie ist damit auf Platz 5 der weltweit größten industriellen Energieverbraucher. Dabei noch nicht mit eingerechnet: Der Transport der Rohstoffe sowie der Endprodukte.

Außerdem werden durch die Papierherstellung, laut Kritischem Papierbericht, in Europa rund 60 Millionen Tonnen CO2 pro Jahr freigegeben. Eine weitere Studie zeigt, dass 2017, alleine in Deutschland, auf diese Weise etwa 10,7 Millionen Tonnen CO2 produziert wurden.

Papierherstellung: Umweltbelastung und Bedrohung für Wälder

Papierherstellung führt zu Waldschwinden

Natürlich sind zur Papierproduktion auch wertvolle Ressourcen nötig. Allen voran Wasser und Holz. Für Letzteres (sofern es sich um neues Papier handelt) müssen ganze Wälder und Urwälder gerodet werden, um Primärfasern (den Rohstoff aus dem neues Papier hergestellt wird) zu gewinnen – Oftmals sogar illegal. Dies führt zu einem zu einem kontinuierlichem Schwinden von Primärwäldern.

Primärfaserimporte aus weiter Ferne

Europas größter Papierproduzent ist übrigens Deutschland. Die für die Herstellung von neuem Papier benötigten Holzfasern werden jedoch, nach Angaben des Umwelt Bundesamts, zu 80% aus dem Ausland importiert: Allen voran vom amerikanischem Kontinent und aus Skandinavien, wie die nachfolgende Grafik verdeutlicht. Natürlich bringen die langen Transportweg auch einen nicht unwesentlichen Ausstoß an CO2 mit sich.

Daher kommen Primärfasern zur Papierherstellung

Verunreinigung von Böden und Gewässern

Durch die hohe Nachfrage nach Holz werden vermehrt schnell wachsende Holzplantagen (z.B. mit Eukalyptus) angelegt. Diese jedoch benötigen einen hohen Pestizid- und Düngereinsatz, wodurch das Grundwasser und die Böden verschmutzt werden.

Ebenso können auch bei der Herstellung des Endprodukts Chemikalien (beispielsweise Bleichmittel) in das Grundwasser gelangen.

Papierherstellung: Umweltbelastung ebenso wie Landrechtsverletzungen

Durch die Rodung von Wäldern und dem (teilweise illegalen) Auf- und Ausbau von Plantagen, werden außerdem häufig Landrechte verletzt. Beispielsweise von Waldbewohnern oder Kleinbauern.

So ist die Papierindustrie nicht nur eine Bedrohung für die Natur und Umwelt, sondern auch für Menschen aus den betroffenen Regionen. Sie unterliegen stets der Gefahr vertrieben zu werden, ihre Ländereien zu verlieren oder aber, dass ihre Böden und Gewässer verschmutzt und vergiftet werden.

Ist Papier nun umweltfreundlich oder nicht?

Gehen wir nochmal auf unsere anfangs gestellte Frage ein: Ist Papier umweltfreundlich? Wie wir gesehen haben, ist auch die Papierherstellung eine Umweltbelastung und schlecht für unseren Planeten wie auch unsere Mitmenschen.

Dabei sei jedoch gesagt, dass nicht jedes einzelne, kleine Blatt Papier per se schlecht ist. Doch: Die Masse macht’s. Papier bzw. Papierwaren werden schlichtweg in solch einem großen Umfang produziert, dass sie eine Bedrohung für unseren Planeten darstellen.

Aus diesem Grund ist auch die Umstellung von Plastik auf Papier nicht die Lösung des Umweltproblems. Viel mehr gilt, wie beim Plastik, auch bei Papier und Papierwaren: Auf einen bewussten Konsum achten und, wenn möglich, mehr Papier sparen.

Papierherstellung: Umweltbelastung für unseren Planeten

Wie kann ich Papier sparen?

Fragst du dich nun, wie du selbst dem Papier-Problem die Stirn bieten kannst und welche Wege es gibt, um Papier zu sparen?

Dann schau dir am besten direkt unseren Beitrag 10 Tricks mit denen du deinen Papierverbrauch reduzieren & Papiermüll vermeiden kannst an. Hier verraten wir dir hilfreiche Tricks und Kniffe!

Und noch was: Wie sieht’s eigentlich mit Büchern aus?

Natürlich gehören auch Bücher in die Kategorie der Papierprodukte und, wie wir uns vielleicht denken können, werden davon nicht gerade wenig produziert. Alleine 2019 sind in Deutschland 70.400 neue Buchtitel auf dem Markt erschienen.

Kaum verwunderlich! Denn: Laut einer Studie lesen rund 60% der Deutschen regelmäßig (also mindestens zwei Mal pro Woche). Ganze 21,5% davon geben sogar an täglich oder fast täglich zu lesen.

Bücher gebraucht kaufen und wieder verkaufen & so Papier sparen!

Dass so viel gelesen wird, finden wir eigentlich super, denn auch wir lieben es zu lesen. Doch auch hier sollte man die Problematik mit der Papierindustrie nicht außer Acht lassen.

Das bedeutet: Gerade, wenn es sich nicht um Neuerscheinungen handelt, kann man Bücher auch wunderbar gebraucht kaufen und so problemlos Papier sparen. Gleichzeitig kann man ausgelesene Bücher auch wieder verkaufen (oder verschenken, weitergeben, verleihen), statt sie fortan als Zierde im Regal verstauben zu lassen.

Dadurch trägt man zu einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft bei und schont wertvolle Ressourcen und unseren Planeten.

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Gebrauchte Bücher shoppen & Papier sparen

Eine Möglichkeit Papier zu sparen? Ab sofort gebrauchte statt neue Bücher kaufen!

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