Read: 5 min

Fernseher, PCs, Handys, Audiogeräte – wir lieben Elektronik. Trotzdem haben unsere praktischen Alltagsbegleiter oftmals nur eine kurze Lebensdauer und landen häufig viel zu früh in der Tonne.

Schaut man sich die Analysen des Statistischen Bundesamts an, lässt sich schon auf den ersten Blick Eines deutlich erkennen: An Elektronikgeräten mangelt es uns nicht. Im Durchschnitt besitzt jeder deutsche Haushalt rund drei Telefone (die meisten davon mobil), zwei PCs, anderthalb Fernseher, einen Fotoapparat und immerhin in jedem zweiten Haushalt vergnügt man sich mit einer Konsole.

Meist wird neu gekauft

Elektronik und der Besitz moderner Technik bedeutet für uns Wohlstand und Reichtum aber auch Flexibilität und eine Erleichterung bei Alltagsaufgaben. Wir sind immer up to date, haben für jede Situation die passende App parat und für jede Laune das richtige elektronische Accessoire.

Gekauft wird meist neu. Doch was ein Großteil der Konsumenten dabei außer Acht lässt: dies hat weitreichende negative Folgen für unsere Umwelt und Mitmenschen. Es führt zu Ressourcenknappheit, schaft Unmengen an Müll, belastet unsere Böden und fördert in armen Ländern schlechte Arbeitsbedingungen und gesetzeswidrige Strukturen.

44,7 Millionen Tonnen Elektroschrott im Jahr

Laut dem Global E-Waste Monitor, einem umfangreichen Bericht zum Thema Elektroschrott, den unter anderem die Vereinten Nationen erarbeiteten, wurden im Jahr 2016 weltweit 44,7 Millionen Tonnen Elektromüll produziert. Um sich das Ganze bildlich vorzustellen: die Menge entspricht rund 4.500 Eiffeltürmen.

Spitzenreiter dabei ist China, dicht gefolgt von der USA. Aber auch Deutschland zählt zu den zehn Ländern mit dem höchsten Elektroschrott-Aufkommen weltweit. Hierzulande wurden 2016 1,9 Millionen Tonnen davon produziert. Das entspricht einem Gewicht von 22,8 Kilogramm pro Einwohner.

Quelle: Global E-Waste Monitor 2017 (http://ewastemonitor.info/)

Noch erschreckender: die weltweite Menge an Elektroschrott ist im Vergleich zum Bericht zwei Jahre zuvor um gut 8 % gestiegen. Für die vergangenen Jahre gibt es zwar noch keine konkreten Angaben – laut E-Waste Monitor ist die Tendenz jedoch steigend. Für 2021 prognostiziert die Untersuchung bereits eine Gesamtmenge Elektromüll von 52,2 Millionen Tonnen weltweit.

Verantwortlich für die steigende Menge an Elektromüll sind zum Großteil die westlichen Industrieländer und das dortige Konsumverhalten. Unsere heutige Informationsgesellschaft wächst stetig – Technologie wird immer schneller, besser und effizienter. Was gestern noch modern war, ist heute schon wieder altbacken.

Elektronik wird häufig nur vergleichsweise kurz genutzt und schnell wieder ausgetauscht oder durch neuere Technik ersetzt. Die tendenziell sinkenden Preise befeuern das Ganze und selbst eine Reparatur ist häufig teurer als einfach Neuware zu kaufen.

Nur 20 % werden recycelt

Elektronische Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Platin, Kobalt oder Palladium oder aber Metalle wie Gallium, Indium oder Tantal, die uns zwar kaum bekannt sind, die meisten von uns aber tagtäglich mit sich rumtragen. Beispielsweise in der Chipkarte unseres Handys, im Display von Laptops und Smartphones oder dessen Akkus.

Einige dieser Rohstoffe werden immer knapper – trotzdem werden nur rund 20 % der weggeworfenen Elektronikgeräte ordnungsgemäß recycelt. Und das, obwohl eben diese Materialien im Elektroschrott-Aufkommen in 2016 einen Gesamtwert von rund 55 Milliarden US-Dollar hatten.

Rund 4 % an alter Elektronik landet schlichtweg im heimischen Müll. Was mit den restlichen 76 % passiert ist nicht nachgewiesen. Wahrscheinlich ist aber, dass ein Großteil davon auf Müllkippen landet oder verbrannt wird – und das nicht hierzulande, sondern vermehrt in armen Ländern wie Indien oder Ghana, in die unser Müll exportiert wird.

Richtig gehört: unser Abfall bleibt häufig nicht bei uns und wird hier gewissenhaft recycelt, sondern einfach in ferne Länder verschifft. Konkrete Zahlen dazu gibt es nur wenige. Eine Fallstudie vom IMPEL jedoch zeigt, dass 2015 und 2016 rund 77 % der gebrauchten Elektronik, die in Nigeria importiert wurden, ursprünglich aus den EU-Mitgliedstaaten stammt. Am meisten davon aus Deutschland und Großbritannien.

Die Folgen übermäßigen Elektronik-Konsums

Die Auswirkungen des westlichen Konsumverhaltens in Bezug auf Elektronik haben schwerwiegende Folgen für Mensch und Natur. Technik benötigt massenhaft (begrenzte) Ressourcen – der Abbau dieser schadet unserer Umwelt und führt zu einer Knappheit wichtiger Rohstoffe.

Gerade in der westlichen Welt leben wir bereits seit vielen Jahren über unsere Verhältnisse. Einige Wissenschaftler und Forschungen warnen daher bereits jetzt von Verteilungskriegen um die immer knapper werdenden Ressourcen.

Noch bedauerlicher ist, dass viele der Metalle für Handys und Elektronikgeräte zunächst einmal unter harten und teilweise gesetzeswidrigen Bedingungen mit viel Mühe aus Gestein und Minen entnommen werden muss. Zentrale Schauplätze dafür sind Länder wie der Kongo, Südafrika oder Sambia. Viele der Minen dort sind zwar illegal aber geduldet. Minenarbeiter schuften hart und unter höchst bedenklichen Bedingungen, um an die wertvollen Rohstoffe zu gelangen und dadurch sich und ihre Familien ernähren zu können. (Tödliche) Unfälle und gesundheitliche Folgen sind keine Seltenheit. Genauso wenig wie Konflikte und Kämpfe um die Minen.

Entwicklungsländer trifft es am härtesten

Alte Geräte hingegen werden nur zum Bruchteil recycelt und meist mangelhaft entsorgt. Primär in Entwicklungsländern. Dort, wo wir das Ausmaß und die Folgen unseres Konsumverhaltens kaum zu Gesicht bekommen sind Gesetze zum Thema Müllbeseitigung und Recycling besonders schwach und entsprechen in keiner Weise europäischen Standards. Durch die unstrukturierte und fehlerhafte Beseitigung und Lagerung des Elektroschrott gelangen Giftstoffe aus den Geräten in die Böden und belasten damit unsere Umwelt.

Was können wir tun?

Die Lösung ist so einfach wie sinnvoll. Zuallererst sollten wir uns grundsätzlich beim Einkauf häufiger fragen, ob wir das Objekt unserer Begierde tatsächlich brauchen oder ob unser aktuelles Gerät wirklich schon wieder durch ein Neues ersetzt werden muss. Klar, manch einer steht total auf neue Gadgets, fotografiert leidenschaftlich mit unterschiedlichen Kamera-Modellen oder besitzt mehr als nur einen Laptop – privat und für die Arbeit.

Zahlreiche Studien (zum Beispiel von Schwarz und Xu im Journal of Consumer Psychology) legen jedoch dar, dass häufig der Gedanke an den Besitz eines Produkts glücklicher macht, als die tatsächliche Verwendung. Außerdem sinkt mit zunehmender Menge an Besitztümern die Wertigkeit der einzelnen Geräte. Hoch ist das Glück beim Kauf, doch schnell sinkt es wieder und wird erst durch den nächsten Kauf wieder gepusht. Eine klare Empfehlung lautet daher: weniger ist mehr. Überlege dir, was du wirklich brauchst und was dir wirklich Freude bereitet – und dann kaufe ganz bewusst.

Gebrauchtes kaufen und verkaufen

Und dann folgt Schritt zwei: anstatt dir Neuware zuzulegen, kaufe deine Elektronik lieber gebraucht. Das Gleiche gilt natürlich auch für andere Produkte wie beispielsweise gebrauchte Kleidung. Gebrauchtware ist, gerade wenn sie geprüft ist, oft noch gut erhalten und von guter Qualität.

Durch den Gebrauchtkauf schenkt man Elektronik ein neues Leben und verlängert die Nutzungsdauer essentieller Rohstoffe und Materialien. Anstatt in der Tonne oder auf einer gefährlichen Müllkippe in Übersee, landet das Gerät in den Händen eines neuen Besitzers.

Und wenn du dein Elektronik-Produkt nicht mehr brauchst oder keine Verwendung mehr dafür hast? In die Tonne gehört es sicherlich nicht und auch in die Schublade verbannen und es dort vergessen und verstauben lassen hat keinen großen Sinn. Stattdessen verschenke oder verkaufe es lieber. Es gibt ganz Bestimmt jemanden, der sich noch darüber freut. Das gilt selbst für kaputte Geräte! Ist eine Reperatur zu teuer, kannst du dein altes Gerät immer noch für ein paar Euros verkaufen oder du verschenken es einfach. Solltest du es trotzdem nicht loswerden, bring es auf den Wertstoffhof. Dort wird gebrauchte Elektronik immerhin effizient und ordnungsgemäß entsorgt und recycelt.