Ich habe vor nicht ganz einem Monat einen Artikel über E-Books geschrieben. Genauer gesagt darüber, dass momentan die Problematik besteht, dass man ein gelesenes E-Book nicht wie ein gelesenes Buch weitergeben oder gebraucht verkaufen kann. In diesem Bereich hat sich leider noch nichts getan, aber ich bin auf etwas sehr interessantes gestoßen, das auf jeden Fall in die selbe Richtung geht.

Es geht um das Ausleihen von E-Books, nicht privat, sondern in einer Bibliothek.Die Hamburger Zentralbücherei bietet derzeit circa 13.000 E-Books zum Verleih an. Eigentlich nichts so besonderes könnte man denken, die gehen mit der Zeit und verschließen sich nicht gegen den Fortschritt. Aber scheinbar ist es doch etwas besonderes, diese E-Book Ausleihe stößt manchen Verlagen ziemlich sauer auf. Schon komisch, schließlich machen sie nichts neues, sie verleihen Bücher. Da E-Books sich, sich bis auf die physische Anwesenheit, nicht von Büchern unterscheiden (so wird jedenfalls von vielen Verlagen der hohe Buchpreis beziehungsweise die Buchpreisbindung von E-Books verteidigt) sollte das doch kein Problem darstellen, so würde ich das jedenfalls sehen.
Die Verlage argumentieren wie immer damit, das eine ungebremste Ausleihe von E-Books den Verlagen schadet. Matthias Ulmer, Geschäftsführender Gesellschafter des Eugen-Ulmer-Verlags in Stuttgart und im Vorstand des Börsenverein des Deutschen Buchhandels erklärt das so: “Wenn ich drei Quellen vor mir habe, den Kauf eines E-Books beim Verlag, das illegale Beschaffen auf einer Piraterie-Plattform oder als dritte Variante das kostenlose Beschaffen bei einer Bücherei, da ist es ja logisch, was man macht.” Das ist, entschuldigt meine Ausdrucksweise, unglaublich bescheuerter Blödsinn.
Seit wann bekommt man in einer Bücherei Bücher (egal ob Buch oder E-Book) umsonst. Man muss eine  Ausleih- oder Mitgliedsgebühr bezahlen, also nicht kostenlos. Die E-Books sind wie Bücher nur begrenzt verfügbar und nicht unendlich, es besteht eine Leihfrist, dass E-Book muss also wie ein normales Buch wieder zurückgegeben werden. Will man sich das E-Book kopieren, also dauerhaft behalten, ist das dasselbe wie das illegale Beschaffen auf einer Piraterie-Plattform. Nur das damit mehr Aufwand verbunden ist, wer also illegal E-Books beschafft, der geht wohl eher nicht den Umweg über eine Bücherei.

Interessant ist auch, dass der Hauptnutzerkreis der E-Book Ausleihe, nicht die “typischen Internetpiraten” sind, dies geht jedenfalls aus einer Aussage des Bereichsleiters für Internet und E-Service der Hamburger Bücherhallen hervor: “Als wir 2007 anfingen hatten wir vor allem Schüler im Visier, doch nun nutzen vor allem viele ältere Menschen die sogenannte Onleihe. Sie müssen nicht in die Bücherei kommen und können auf den elektronischen Lesegeräten auch gut die Schriftgröße einstellen.”
Das Ganze klingt für mich sehr positiv und diese “E-Book-Panik” der Verlage wirkt sich eher kontraproduktiv auf den E-Book Markt aus. Würde man sich nicht so sehr an der Buchpreisbindung und der Angst vor illegalen Kopien festklammern sondern offener mit dem Thema umgehen, würde die Zahl der illegal beschafften E-Books mit Sicherheit von selbst schrumpfen, jedenfalls ist das meine Hoffnung.

Christoph