Mit einem Tag Aufschub oder Verspätung, wie auch immer man es nennen mag, gibt es nun den Zweiten Teil meiner Top Bücher 2012 Liste. Wieder fünf an der Zahl, noch einmal fünf Perlen die mir ein schönes Lesejahr beschert haben. Ich will jetzt auch keine weiteren großen Reden schwingen, das gab es im ersten Teil der Top Bücher 2012 Liste.

 

Tschick – Wolfgang Herrndorf

Tschick gilt im Allgemeinen als Jugendbuch, ich bezeichne es gerne also Sommerbuch, ganz einfach deswegen weil es das für mich war. Ich bin Anfang dieses Sommers über das „Roadmovie“ gestolpert und habe es bei schönstem Wetter auf dem Balkon verschlungen.  Es ist die Geschichte zweier Außenseiter, die in den Sommerferien beschließen mit einem gestohlenen Lada in die Walachei zu fahren und damit ist die wirkliche Walachei gemeint und nicht das irgendwo im nirgendwo, dass oft mit diesem Begriff in Verbindung gebracht wird. Auf ihrer Reise erleben sie allerlei abstruse aber lustige Abenteuer, bis ihre Tour relativ abrupt mit einem Verkehrsunfall endet. Dem Autor kann ich nur mein größtes Lob aussprechen, weil er es schafft den Spagat zwischen Jugendsprache und gekonnter Ausdrucksweise zu meistern. Ein geradezu traumhaftes Resümee das der Ich-Erzähler Maik gegen Ende des Buches zieht, muss ich euch einfach mit auf den Weg geben, denn es ist so voller Wahrheit und Hoffnung, dass es in die Welt hinaus getragen werden muss :  “Die Welt ist schlecht, und der Mensch ist auch schlecht. Trau keinem, geh nicht mit Fremden und so weiter. Das hatten mir meine Eltern erzählt, das hatten mir meine Lehrer erzählt, und das Fernsehen erzählte es auch. Wenn man Nachrichten kuckte: Der Mensch ist schlecht. Wenn man Spiegel TV kuckte: Der Mensch ist schlecht. Und vielleicht stimmte das ja auch, und der Mensch war zu 99 Prozent schlecht. Aber das Seltsame war, dass Tschick und ich auf unserer Reise fast ausschließlich dem einen Prozent begegneten, das nicht schlecht war.“

 

Der König von Berlin – Evers, Horst

Auf dieses Buch bin ich durch den Umzug aus der Provinz nach Berlin aufmerksam geworden, denn dem Protagonisten in dem Kriminalroman geht es nicht anders. Horst Evers ist zwar eher für seine Kurzgeschichten bekannt, aber ein Versuch war es Wert, ich mag Horst Evers Geschichten sehr gerne und schon alleine deswegen war es schon verpflichtend für mich.
Es ist zwar ein Kriminalroman aber die Handschrift von Horst Evers ist klar zu erkennen. Er spinnt eine Geschichte die so voller Abstrusitäten und Humor ist wie man es eben vom Autor gewohnt ist. Die grundlegende Geschichte ist schnell erzählt. Ein junger Kommissar wird nach Berlin versetzt, für ihn der Jackpot, das Problem ist nur, dass er von den Kollegen nicht für voll genommen wird, er ist eben nur ein Provinz Sheriff. Dann ein Mord und eine Rattenplage und um dem ganzen noch eins drauf zu setzen muss sich unser Kommissar ausgerechnet mit einem alten Feind aus der Heimat zusammentun.  Herrlich frisch, lustig und schrill beschreibt das ganze glaube ich ziemlich gut.

 

Der Junge, der Träume schenkte: Roman – Luca Di Fulvio

Ein wundervolles Buch, jegliche Erwartungen die ich beim ersten Blick auf Titel, Cover und Klappentext hatte, werden nicht gehalten und ist es trotzdem keinesfalls enttäuschend sondern die nicht erfüllten Erwartungen werden sogar noch übertroffen. Die junge Cetta wandert mit ihrem Sohn und dem Traum von einer besseren Zukunft nach Amerika aus. Der Traum weicht schnell der Realität. Cetta zieht ihren Sohn auf, dessen im Klappentext angekündigtes, Talent andere Menschen zu verzaubern entfaltet sich komplett anders als erwartet, ich will nicht zu viel verraten, dass muss man schon selbst herausfinden. Liebe, Gewalt, Hoffnung und Angst verschmelzen zu einer Geschichte ohne jedoch kitschig zu werden. Vielmehr wird alles zu einer facettenreichen Realität, in der sich Di Fulvios Charaktere entfalten, in der sie ihre Erfahrungen machen an denen sie wachsen oder auch zerbrechen. Auf den fast 800 Seiten erschafft der Autor eine schöne aber auch düstere Welt voller Charaktere und deren Schicksalen die sich immer wieder zu einem großen zusammenfügen.

 

Die Larve: Harry Holes neunter Fall: Jo Nesbø

Eigentlich würde bei dieser Buchbeschreibung nur eine Bemerkung reichen: Jo Nesbø. Mehr müsste man wirklich nicht sagen. Der Name des Autors steht für sich selbst. Krimis, von der besten Sorte, perfekt ausbalanciert zwischen spannend, überraschend und ereignisreich. Erwarteterweise voller Wendungen ist auch der neunte Teil wieder fesselnd bis zum Schluss.

 

 

Ich. Darf. Nicht. Schlafen. : Watson, Steve

Hier muss ich leider auf den Klappentext zurückgreifen, weil ich gerade erst begonnen habe das Buch zu lesen, aber schon nach den ersten 150 Seiten kann ich sagen, absolut genial und etwas verstörend. Steve Watson schreibt auf so eine packende Art, dass mich schon mehrfach in Christine, die Hauptfigur, hineinversetzt gefühlt habe und das ist bei diesem sehr speziellen Buch, fast schon traumatisierend. Die Vorstellung das Schicksal von Christine zu teilen ist wirklich gruselig und beängstigend. Doch ich erzähle und erzähle und ihr wisst nicht um was es geht, hier also der Klappentext:  „Ohne Erinnerung sind wir nichts. Stell dir vor, du verlierst sie immer wieder, sobald du einschläfst. Dein Name, deine Identität, die Menschen, die du liebst alles über Nacht ausradiert. Es gibt nur eine Person, der du vertraust. Aber erzählt sie dir die ganze Wahrheit?
Als Christine aufwacht, ist sie verstört: Das Schlafzimmer ist fremd, und neben ihr im Bett liegt ein unbekannter älterer Typ. Sie kann sich an nichts erinnern. Schockiert muss sie feststellen, dass sie nicht Anfang zwanzig ist, wie sie denkt sondern 47, verheiratet und seit einem Unfall vor vielen Jahren in einer Amnesie gefangen. Jede Nacht vergisst sie alles, was gewesen ist. Sie ist völlig angewiesen auf ihren Mann Ben, der sich immer um sie gekümmert hat. Doch dann findet Christine ein Tagebuch. Es ist in ihrer Handschrift geschrieben und was darin steht, ist mehr als beunruhigend. Was ist wirklich mit ihr passiert? Wem kann sie trauen, wenn sie sich nicht einmal auf sich selbst verlassen kann?“
Na, wenn das mal keine gruselige Vorstellung ist, das zu erleben, dann weiß ich auch nicht.

Und damit endet meine Top Bücher 2012 Sammlung. Es gibt noch unzählige Bücher, ob Topseller oder Nischenbücher, die hier vertreten sein sollten, aber ich kann ja nicht nur Bücherreviews schreiben.  In diesem Sinne ende ich mit einem meiner liebsten Zitate zum Thema lesen: „Bücher sind Schiffe, welche die weiten Meere der Zeit durcheilen.“ – Francis Bacon

Christoph